Koloniehaltung

Koloniehaltung

 

Als eine wenig erprobte und sehr aufwendige Chinchilla Zucht gilt die Koloniezucht. Hierbei sitzen viele Chinchilla Weibchen und ein Chinchilla Bock in einem großen Gehege zusammen. Umstritten ist, ob man die Weibchen in der Gruppe werfen lassen soll oder ob man sie kurz vor dem Werfen aus dem Gehege nehmen und in einen kleineren Käfig umsetzen soll. Dies ist wohl eine der umstrittensten Haltungsform in der Chinchillazucht, zugleich auch eine der Schwierigsten.

Bei der Koloniehaltung bekommt ein Bock bis zu 15 Weibchen in einem Gehege. Aber meistens vertragen sich nicht alle Weibchen untereinander und hocken nicht gemeinsam und einträchtig beisammen. Statt dessen kommt es öfters zu Raufereien untereinander, wobei sich die Weibchen mit Harn ( Urin ) bespritzen oder aber gegenseitig beißen. Diese wird dann mit Büschelweisen fliegenden Haaren begleitet. Eine Möglichkeit, diese etwas zu unterbinden, liegt in der Anbringung von Fluchtkisten, Häusern oder Röhren. Aber auch andere Versteckmöglichkeiten können genommen werden. Wenn die Weibchen in Koloniegehegen oder Käfigen werfen, zeigt sich, dass manche Weibchen sich rührend um die kleinen kümmern andere aber hingegen bauen Eifersüchteleien auf und sehr bedrohlicher Unduldsamkeit. Es kann zu heftigen Auseinandersetzungen kommen wobei besonders auch die Kleinen sehr gefährdet sind!

Ein weiterer Gefahrenpunkt ist das nicht alle Weibchen gleichzeitig Hitzig werden. Der Chinchilla Bock versucht so also auch Chinchilla Weibchen zu decken die nicht hitzig sind. Diese jedoch wehren sich oft sehr immens gegen den Freier und schlagen ihn in die Flucht oder aber werden von Ihm übelst  zugerichtet.

 

Chinchilla Koloniehaltungen sollten also wenn nur von sehr erfahrenden Züchtern aufgebaut werden. Es bedarf eines monatelangen Auswahlverfahrens um solche großen Chinchilla Gruppen aufzubauen, sowie viel Fachwissen. Wir selbst besitzen zwei solcher Koloniegruppe mit 4 Weibchen + Bock und 3 Weibchen + 1 Bock. Die Käfige von den beiden Gruppen besitzen 2 Trinkflaschen so wie Futterautomaten und genügend Unterschlupfmöglichkeiten. Es handelt sich hierbei um ganz zahme und geduldige Tiere die wir lange Zeit beobachteten um Ihr Verhalten zu studieren.

 

In Europa wurde Mitte der sechziger Jahre große Versuchsreihen mit der Koloniehaltung unternommen, dabei lag Deutschland bis zu 10 Jahren den Amerikanern zurück. Bekannt geworden sind die Bemühungen des WGS-Bewerters Lothar Auerbach in England. Er hatte ein großes Gehege mit den Ausmaßen 165cm x 85cm und 50 cm Höhe gebaut wo er einen bock mit 6 Weibchen hielt! An dem Gehege waren zwei Trinkflaschen und sehr große Futterbehälter angebracht. Es fehlte auch die große Heuraufe nicht.

 

Aber in großen und ganzen können mehr Nachteile als Vorteile aufgezählt werden.

 

Nachteile im einzelnen:

 

  1. es dürfen keine zickigen und zänkischen Weibchen zusammengesetzt werden
  2. der Bock ist immer bei den Weibchen, wobei da die Gefahr besteht das er im Verlauf von Streitigkeiten verletzt oder getötet wird.
  3. zum Schutz der Weibchen müssen diese zum Werfen in andere Käfige gesetzt werden
  4. nach absetzen der Jungtiere muss das Weibchen wieder neu eingegliedert werden
  5. Fällt der Bock durch Krankheit, Unfall, Alter etc. aus, so ist die Gruppe verloren.
  6. es kommt häufiger zum Fellbeißen

Es gibt noch einige weitere Nachteile die wir aber nicht alle Aufzählen möchten.